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Wenn man vor dem Aquädukt in der spanischen Stadt Segovia steht, etwa anderthalb Autostunden von Madrid entfernt, bleibt einem vor Staunen der Mund offen stehen: 118 Bögen ziehen sich 728 Meter lang und bis zu 28 Meter hoch durch die Stadt und ihre Umgebung. Ein Prachtbauwerk der Römer aus dem 1./2. Jahrhundert nach Christus. Wenn man vor der Version des Aquäduktes der spanischen Künstlerin Alicia Ríos steht, bleibt einem auch der Mund offen stehen – um einen Bogen des Monuments zu vernaschen. „Food art“ nennt die Madriderin ihre Kunst, bei der sie aus Lebensmitteln die Realität nachbildet – mal Hüte, mal Leute, mal Bibliotheken oder eben ganze Städte. Segovia baute sie anlässlich dessen Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2016 gemeinsam mit 90 Bewohnern der Stadt aus Gemüse, Süßwaren und regionalen Spezialitäten der Gegend fast detailgenau nach. Die Bäume sind aus Spargel geschnitzt, Broccoliröschen bilden die Büsche, die Stadtmauer besteht aus belgischen Waffeln. Nicht nur Alicia Ríos, sondern viele Künstler verbinden in ihren Werken Essen mit Kunst.
In Berlin lebt Wolfgang Nieblich, der Maler, Bildhauer, Bühnenbildner und Verleger („edition hanser“) in einem ist. Eines seiner Themen heißt „Mit Augen essen“.
Diesem widmet er sich nicht nur in Gemälden und Skulpturen, sondern auch in Büchern, die er selbst herausgibt. Darin erzählt er Geschichten von Wein, Speisen und Menschen. „Das verbindende Element zwischen Kunst und Essen ist die Ästhetik, und ich als Künstler genieße beides“, sagt Nieblich, dessen Werke in verschiedenen Berliner Restaurants die Wände schmücken, etwa im „Hermanns Einkehr“, „Taberna de Bellas Artes“ oder im „Hamlet“. Nieblich arbeitet gern mit Alltagsgegenständen wie Tellern oder Besteck. Porzellan ist bei ihm immer blütenweiß, bemaltes kommt ihm nicht aufs Kunstwerk. „Da bin ich Traditionalist, ich stamme aus Kahla bei Jena“, sagt er. Wie ein Kunstwerk im Kunstwerk wirken auch die Titel der Werke Nieblichs – Wortspiele mit Witz und Verstand
(siehe Fotos).

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Bei „Eat Art“ geht es nicht um die Kunst des Essens oder die Darstellung von Lebensmitteln, wie sie über Jahrhunderte in der Kunst zu finden ist.
Vielmehr handelt es sich um eine Kunstrichtung:
1970 gründete Daniel Spoerri in Düsseldorf di „Eat Art Galerie“. Berühmte Künsler wie Joseph Beuys und Roy Lichtenstein zeigten dort Objekte aus Lebensmitteln. Spoerri hatte bereits in den 60er-Jahren mit seinen „Fallen bildern“ Essen thematisiert. Der gebürtige Rumäne klebte die Reste einer Mahlzeit auf dem Tisch fest und habe die Teller und Schüsseln allerdings vorher etwas ausgewischt und per Hand abgespült“, verrät der Künstler, der diesen Sommer in Niederösterreich eine eigene Ausstellungshalle für seine und thematisch ähnliche Werke anderer Künstler und ein Lokal namens „Eat Art“ eröffnet hat. Geändert hat sich an seiner Art der Fallenbilder wenig. „Heute verwende seit Jahren inszeniert er Bankette.
In Wien hat er gerade für eine Firma ein, wie er sagt, „optisch falsches, gustativ richtiges“ Menü konzipiert. „Was aussieht wie Sahne, ist gefärbtes Kartoffelpüree, die Schokoladensauce entpuppt sich als Jägersauce, der Kaffee ist eine dunkle Pilzreduktion mit Meerrettich und
die Pralinen sind Senffrüchte“, beschreibt Spoerri das ungewöhnliche
Mahl. Aktuell zu sehen sind Eat Art- Werke des 79-jährigen Künstlers in
Düsseldorf. In der Kunsthalle Düsseldorf wird Ende November die Ausstellung „Eating the Universe. Vom Essen in der Kunst“ eröffnet, die die Verwendung verzehrbarer Materialien in der Kunst von den 70er-Jahren bis heute zeigt. Alicia Ríos wirkte im vergangenen Jahr auch in Berlin mit ihrem Projekt „Eat the wall“. In zwei Türrahmen baute sie eine hohe Mauer aus Getränken, Obst, Gemüse, Süßigkeiten und Kuchen. Die Menschen konnten sich bedienen, die Mauer wurde kleiner und plötzlich war sie weg – einfach aufgegessen
„Das verbindende Element
zwischen Kunst und Essen ist
die Ästhetik“
Wolfgang Nieblich
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